Um was geht es in dieser Rubrik? Hier wird dem Leser im Namen des Wächters, einem Team von Journalisten das für „The Voice Of The Republic“, bereits so manches verraten, das erst in späteren Büchern oder Zyklen eine Rolle spielen könnte. Vielleicht nicht genauso, wie hier vermerkt, dennoch ziemlich nahe dran. Gleichzeitig dienen diese Texte als Erweiterung der aktuellen Bücher. Klingt komplizierter als es ist. Schnuppert ruhig rein!

Im Vorfeld der Kolonisierung von Nikong

Talwenium und Vampire – Die Erforschung fremder Welten

Peking, 4. März 54 DNW

Gegen Ende des dritten Jahrzehnts der neuen Zeitrechnung geriet die Talwenium-Föderung auf dem Saturnmond Titan und im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ins Stocken. Der Krieg mit den Flisser hatte enorme Mengen am 5D-Schwingungsquarz verschlungen und die Geschäftsleitung von Meroth-Talwenium appellierte an das Kartell, dringend außerhalb des Sol-Systems nach neuen Abbaugebieten des für die überlichtschnelle Raumfahrt so wichtigen Kristalls zu suchen.

Das Kartell untersagte jedoch weiterhin den Bau von regelrechten Prospektorenschiffen und beauftragte die Raumflotte, innerhalb eines Umkreises von 60 Lichtjahren, mit der Suche nach Talwenium. Gleichzeitig soll auch Ausschau nach geeigneten Planeten für die Kolonisierungspläne der Republik gehalten werden.

Ein paar Wochen später verließen sieben brandneue Forschungsraumschiffe der Fargan-Klasse die lunaren Werftanlagen. Kommandant eines dieser Schiffe, der Fulmar 02, war Captain Guo-Gang Nikong, der mit einer zehnköpfigen Besatzung, wovon sechs Wissenschaftsoffiziere waren, einen gelben, sonnenähnlichen Stern in einer Entfernung von 56 Lichtjahren anflog, den er bereits im Vorfeld der Mission auf den Namen Yuan getauft hatte. Dort fand die Crew der Fulmar 02 gleich wonach sie suchte. In den Ringen des achten Planeten gab es große Vorkommen an Talwenium-Kristallen und der vierte Planet entpuppte sich als brauchbare Welt für eine Kolonie.

Bei näherer Betrachtung des Planeten Nikong ­(das Recht des Captains auf Namensgebung wurde hier angewendet)wurde ebenfalls eine intelligente Spezies auf einem der drei Kontinente entdeckt. Es handelte sich um annähernd zwei Meter große, aufrecht gehende und sehr neugierige Wesen, die den irdischen Gleithörnchen ähneln und in die Kategorie Naturvölker eingeordnet werden konnten. Diese lebten friedlich in kleinen Gruppen auf den Bäumen von lichten Wäldern, besaßen ein ziemlich einfache Sprache und stellten unterschiedliche primitive Waren her, mit denen sie untereinander Handel trieben. Sie selbst bezeichneten sich als Spaire und waren in der Lage mit gespreizter Gleithaut, helfender Thermik sowie perfektem Absprung bei 30 Meter über dem Boden, bis zu zwei Kilometer weit zu gleiten.

Den Wissenschaftlern der Fulmar 02 fiel bereits in den ersten Tagen ihrer Beobachtungen auf, dass sich die Spaire nicht ernährten. Erst ein kollektiver nächtlicher Ausflug einer Gruppe dieser Wesen brachte eine Erklärung. Spaire waren Blutsauger. Vampire, die nachts gemeinsam zwei bis drei große Tiere jagten und diese bei lebendigem Leibe das gesamte Blut aus ihren Körpern saugten. Nach solch einer Orgie kamen die Spaire gut drei Wochen ohne weitere Nahrung aus.

Captain Nikong schickte täglich seine Berichte an das Hauptquartier der Flotte, von wo aus sie an das Kartell weitergeleitet wurden. Auf der Erde war man schnell der Meinung, dass es sich bei dem Yuan-System um ein Glücksfall handeln würde. Das einzige was störte waren die Spaire. Also beschloss das Kartell die Einheimischen aus dem Weg zu räumen und schickte Bodentruppen, die das erledigen sollten.

Trotz der eindeutigen terranischen Überlegenheit dauerte es beinahe zehn Jahre bis der Planet, der inzwischen den Namen Nikong trug, von seinen rechtmäßigen Bewohnern gesäubert war und Meroth-Industries damit beginnen konnte eine Stadt für die zukünftigen Kolonisten zu errichten. Lange zuvor jedoch lief bereits der Abbau des Talweniums an, der die Republik Terra für die kommenden Jahrzehnte ausreichend versorgen sollte.

Der Wächter

Aufbruch nach Nikong

Endlich! Das Kartell gibt grünes Licht zur Besiedlung des Yuan-Systems.

Peking, 6. März 54 DNW

„Das Abenteuer kann beginnen!“, so titulierte Cai-Feng Cheng, der Gouverneur der Metropole Peking, die Entscheidung des Kartells, den ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems zur Kolonisierung freizugeben. 250 000 Pekinger erhielten das Vorzugsrecht, die ersten terranischen Siedler der Republik auf einer fernen Welt zu repräsentieren. Eine tolle Sache.

Aber wie transportiert man solch eine Menge von Menschen? Mit unzähligen Flügen von terranischen Frachtraumern der Lanza-Klasse? Mitnichten!

Veegun, der allseits beliebte Botschafter-Roboter der Sagorer, stellt uns zehn sagorische Kolonieschiffe, wahre Giganten der Tarun-Klasse, dafür zu Verfügung. Mit diesen Schiffen sind die logistischen Probleme der Umsiedlung vom Tisch.

Doch was erwartet nun diese tapferen Frauen und Männer auf ihrer neuen Heimatwelt, die den Namen ihres Entdeckers, Captain Guo-Gang Nikong, trägt?

Zuerst einmal eine menge harte Arbeit. Da aber bereits im Vorfeld dieser Unternehmung von Meroth-Industries eine bezugsfertige kleine Stadt namens Keng Pai auf Nikong errichtet wurde, können die Kolonisten jederzeit auf eine sichere und hochmoderne Basis zurückgreifen, die ihnen ihre Aufgaben erleichtert. Wasser- und Energieversorgung, samt Fankton-Speicheranlagen und Hyzap-Station im Orbit des Planeten, inklusive.

Zu den Prioritäten der Siedler zählt dafür zu sorgen, dass schnellstmöglich eine wirtschaftliche Infrastruktur entsteht, die den Abbau und den Abtransport der reichen Erzvorkommen des Planeten erlaubt, wozu auch der Bau eines Raumhafens gehört. In einer zweiten Etappe sind sogar hochmoderne Weiterverarbeitungsanlagen geplant, um gleich Vorort die von der Erde benötigten Grundprodukte, herzustellen. Bis die Kolonisten in der Lage sind sich selbst mit Nahrungsmittel und Waren für ihre persönliche Bedürfnisse zu versorgen, wird Terra diese Aufgabe übernehmen. Später soll das Gelände rund um die Stadt zum Anbau von Reis und zur Viehzucht mit einheimischen Tieren benutzt werden.

Aber auch das Wachstum der Kolonie darf nicht vernachlässigt werden. Hierzu wird auf Nikong das erste Zeugungshaus der Republik errichtet, mit dessen Hilfe sich die Population der jungen Kolonie innerhalb von nur fünf Jahren verzehnfachen soll und dabei das Erbgut der Siedler bestmöglich verwaltet.

Um einen reibungslosen Ablauf von alldem zu gewährleisten, stellt die Erdregierung den Siedlern ein Kontingent an Bodentruppen der Raumflotte zur Verfügung, das sich um ihre Sicherheit und ihren Schutz kümmern wird. Außerdem werden zwei Aufklärer der Fargan-Klasse im Yuan-System stationiert, das demnächst auch monatlich von einem Patrouillekreuzer angeflogen werden wird.

Ein neuer Zweig der Menschheit erblüht. Ein Ableger weit entfernt von seinen Wurzeln. Die Republik Terra soll stets ein wachsames Auge auf ihr Erstgeborenes haben.

Der Wächter

Erneut politische Unruhen im Lamir-System

TND-Agentin in Zwischenfall involviert. Wie lange kann sich Gouverneur Munesch noch auf seinem Posten halten?

Gandhi-City, 19. Januar 595 DNW

Auf dem Paneten Bandul kam es vor wenigen Minuten, während des Empfangs im Regierungspalast zum 400. Jahrestag der Kolonie, zu einem Anschlag auf das Leben des zwielichtigen Gouverneurs Shantu Munesch. Dieser überlebte die Tat dank dem Einsatz einer jungen TND-Agentin, deren eigentliche Aufgabe es sein sollte, die Loyalität des Gouverneurs zur Republik zu überprüfen. Stattdessen schnüffelte die Frau im Umfeld der Delegation von Germanika herum und tötete einen der Abgesandten von Gouverneur von Falkenhaus, was die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Kolonie mit Sicherheit nicht verbessern wird.

Aber was veranlasste den TND zu dieser inoffiziellen Überprüfung des Gouverneurs von Bandul? Warum hatte der Terranische Nachrichtendienst weder den Senat noch den Präsidenten der Republik über seine Schritte informiert?

Uns allen ist Muneschs Rolle, die dieser bei der Abschaffung der Zeugungshäuser vor 15 Jahren spielte, nur noch zu gut in Erinnerung. Plant der undurchsichtige Bandule etwa erneut einen hinterlistigen Angriff auf das soziale Gefüge der Republik? Der Jalar behauptet, dass die entsprechenden Vorwürfe gegen Shantu Munesch nur üble Nachrede seiner politischen Konkurrenz sei.

Wir von „The Voice“ werden Munesch jedoch auch weiterhin im Auge behalten.

Was nun die TND-Agentin betrifft, deren richtiger Name Jadira Masala und nicht Lackmir Vinesch lautet, mit dem sie monatelang im Umfeld des Gouverneurs von Bandul agierte, teilte Brian D. Hunt, der neue Sektionsleiter des Jalars Vorort uns mit, dass er persönlich dem TND empfehlen würde, sich von dieser inkompetenten Frau zu trennen.

Der  Wächter

Doppelfusion endet mit doppeltem Todesfall

Meroth-Industries auf dem Weg zum größten Konzern der Erde!

London, 12. Juni 34 DNW

Kurz vor Mitternacht auf dem Anwesen der Meroth-Familie in der Metropole London. Die Crème de la Crème der  terranischen Edelgesellschaft feierte ausgiebig das frisch vermählte junge Brautpaar und die damit verbundene Wirtschaftsfusion zwischen Meroth-Industries und der Taylor-Cooperation im prächtigen Ballsaal von Meroth-Manor, als sich zwei Stockwerke höher ein brutaler Mord ereignete.

Ein undankbarer Dienstbote der Meroths wurde von Colleen Taylor, der Frau des Großindustriellen Rod Taylor, beim Diebstahl überrascht. Als Mrs Taylor das Wachpersonal verständigen wollte, stieß sie der Mann brutal aufs Bett und versuchte die ehemalige Miss Texas zu vergewaltigen. Rod Taylor, der seiner Frau ein paar Minuten später aufs Zimmer folgte, konnte diese zwar aus den Händen des abscheulichen Kerls befreien, bezahlte seinen Heldenmut jedoch mit dem Leben. Das kriminelle Individuum erschoss ihn mit einer Impulspistole.

Nur das beherzte Eingreifen von Timothy Meroth – dem Bruder des Bräutigams – der zufällig am Zimmer der Taylors vorbeikam, verhinderte schlimmeres. Es kam zu einer Rangelei, die mit einem weiteren tödlichen Schuss aus einer Pistole endete. Meroth hatte den Schwerverbrecher in Notwehr erschossen.

Durch das frühzeitige Ableben von Rod Taylor und die mit der Fusion verbundenen Verträge ermöglichten es Harry Meroth die Kontrolle über den gesamten Großkonzern zu übernehmen.

Böses dem, wer Böses denkt!

Der  Wächter

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